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Hier findest du alle Prompts zum Video!

Du nutzt KI für Social Media falsch

Künstliche Intelligenz flutet Social Media mit mittelmäßigem Content. Und vermutlich helfen viele von uns gerade dabei.

Denn der typische Ablauf sieht so aus: ChatGPT öffnen, kurz „Schreib mir einen LinkedIn-Post über KI“ eintippen und den ersten Entwurf übernehmen. Das geht schnell. Clever ist es trotzdem nicht.

Inzwischen kann fast jeder in wenigen Sekunden einen Beitrag erzeugen. Genau deshalb entsteht der eigentliche Vorteil schon viel früher: bei der Themenwahl, der Recherche, der Hook, der psychologischen Verpackung und dem menschlichen Feinschliff.

Ich arbeite seit knapp 20 Jahren mit Social Media und habe Psychologie im Master studiert. Die Werkzeuge haben sich in dieser Zeit mehrfach komplett verändert. Eines ist jedoch geblieben: Menschen reagieren auf Relevanz, Spannung, Glaubwürdigkeit und eine erkennbare Persönlichkeit. Diese Zutaten liefert Dir keine KI automatisch. Du musst sie vorgeben.

Hier sind fünf Aufgaben, die ChatGPT übernehmen sollte, bevor es auch nur einen fertigen Post für Dich schreibt.

KI macht uns schneller. Aber nicht automatisch unverwechselbar

Generative KI kann die Arbeit an Texten deutlich beschleunigen und ihre durchschnittliche Qualität verbessern. Das zeigte unter anderem eine Studie von Noy und Zhang aus dem Jahr 2023. Andere Untersuchungen weisen auf eine interessante Kehrseite hin: Einzelne Ideen können mit KI besser werden, während die Ergebnisse einer Gruppe insgesamt ähnlicher werden.

Diese Studien waren keine Social-Media-Experimente. Aus ihnen lässt sich also kein Versprechen für mehr Reichweite ableiten. Die Spannung dahinter ist dennoch wichtig: KI kann uns schneller und besser machen. Ohne klare Führung landet das Ergebnis aber oft im Durchschnitt. Dann klingt ein Beitrag wie der nächste. Der Feed wird zu einer Tapete aus denselben Worten.

1. Gib zuerst die Richtung vor

Die erste Aufgabe von ChatGPT, Gemini oder Claude besteht noch gar nicht im Schreiben. Die KI sollte zunächst die richtigen Fragen stellen.

Bevor Content entsteht, muss sie vier Dinge verstehen:

  • Für wen ist der Inhalt genau gedacht?
  • Was soll er bewirken?
  • Welche Haltung steckt dahinter?
  • Welche Grenzen darf die KI nicht überschreiten?

„Selbstständige“ ist zum Beispiel viel zu grob. Präziser wäre: „Selbstständige Berater, die regelmäßig posten, aber kaum Anfragen erhalten.“ Auch das Ziel sollte klar sein. Geht es um Reichweite, Kommentare, Abonnenten, Anfragen, Bewerbungen oder Verkäufe?

Hilfreich sind außerdem Beispiele für Deinen Sprachstil, passende Negativbeispiele und klare No-Gos. Du kannst der KI dafür etwa frühere Beiträge von LinkedIn oder Instagram zur Verfügung stellen. Bei einer Personal Brand gilt allerdings: Meinung, Erfahrung und persönliche Beobachtungen müssen von Dir kommen. Eine KI kann sie strukturieren. Erleben kann sie sie nicht.

Prompt – Schritt 1:

Du unterstützt mich als Redaktionspartner. Meine Zielgruppe sind Marketingverantwortliche und selbstständige Experten, die KI einsetzen möchten, ohne ihre persönliche Stimme zu verlieren. Mein Ziel ist mehr qualifizierte Reichweite. Stelle mir zuerst fünf Fragen, deren Antworten Du brauchst, bevor Du Content-Ideen entwickelst. Erstelle noch keine Posts.

Der entscheidende Satz lautet: „Stelle mir zuerst fünf Fragen.“ Damit wird aus der Textmaschine ein Sparringspartner.

2. Lass die KI recherchieren

Sobald die Richtung klar ist, beginnt die Recherche. Viele Menschen überspringen diesen Schritt und fragen sofort nach zehn Ideen. Doch woher soll eine KI wissen, was Deine Zielgruppe gerade beschäftigt, wenn Du ihr weder echte Fragen noch aktuelle Diskussionen zeigst?

Starker Content wächst aus echtem Material:

  • Fragen und Einwänden aus Kundengesprächen
  • Kommentaren und Suchanfragen
  • aktuellen Diskussionen und Veränderungen im Markt
  • unterschiedlichen Positionen zu einem Thema
  • Fakten, Nachrichten und vertrauenswürdigen Quellen
  • Spannungen und Widersprüchen

Gerade Spannungen sind oft ergiebiger als lose Themen. Beispiele sind Geschwindigkeit versus Originalität, Automatisierung versus Kontrolle, Reichweite versus Vertrauen oder Effizienz versus Persönlichkeit. Darin steckt Reibung. Und Reibung erzeugt Aufmerksamkeit.

Prompt – Schritt 2: Recherche

Recherchiere aktuelle Fragen, Einwände und Diskussionen zum Einsatz von KI für Personal Branding. Betrachte die vergangenen 90 Tage des Kanals XY, meines Kanals oder der folgenden Medien. Trenne belegbare Entwicklungen von Meinungen. Nenne zu jedem Punkt die Quelle und leite noch keine fertigen Posts ab. Suche stattdessen nach zehn Spannungen, aus denen interessante Inhalte entstehen könnten.

Wichtig ist der Zusatz, noch keine Posts zu formulieren. So trennst Du Recherche und Kreation. Das schützt davor, dass ChatGPT die erstbeste Idee sofort mit vielen glatten Sätzen zukleistert.

3. Entwickle Hooks und Verpackung

Die Verpackung ist einer der größten Hebel für Reichweite. Ein gutes Video, auf das niemand klickt, bleibt unsichtbar. Ein starker Beitrag, bei dem niemand stoppt, findet ebenfalls nicht statt.

Ein Hook muss dabei nicht laut oder künstlich dramatisch sein. Er braucht eine erkennbare Spannung. Eine bekannte psychologische Erklärung dafür ist die Informationslücke: Wir bemerken einen Abstand zwischen dem, was wir wissen, und dem, was wir wissen möchten. Ein guter Hook öffnet diese Lücke. Der Inhalt muss sie anschließend schließen. Sonst bleibt nur Clickbait.

Ich sage in Workshops gern: Schreibe Überschriften wie die Bild-Zeitung, aber liefere einen Inhalt wie die Zeit.

Prüfe deshalb bei jeder Hook:

  • Für wen ist sie relevant?
  • Wo liegt die Spannung?
  • Welche konkrete Folge kündigt sie an?
  • Kann der Inhalt dieses Versprechen wirklich einlösen?

Beispiele für unterschiedliche Hooks

  • Generisch: „Fünf Tipps für bessere KI-Texte.“
  • Instagram: „Drei Sätze, an denen Deine Follower sofort erkennen, dass ChatGPT geschrieben hat.“
  • LinkedIn: „ChatGPT spart Dir Zeit. Ohne klare Führung kostet es Dich möglicherweise auch Deine Persönlichkeit.“
  • YouTube: „Hör auf, ChatGPT nur Deine Social-Media-Posts schreiben zu lassen.“

Prompt – Schritt 3: Hook-Entwicklung

Entwickle zwölf Hooks für dieses Thema. Nutze unterschiedliche psychologische Mechanismen, darunter Informationslücke, überraschender Gegensatz, konkrete Folge und Identifikation. Nenne zu jedem Hook das Versprechen, den benötigten Beleg und das Risiko, dass er wie Clickbait wirkt. Streiche Aussagen, die ich nicht seriös belegen kann.

Der Prompt verlangt nicht nur Ideen, sondern auch eine kleine Sicherheitsprüfung. Das ist wichtig, denn eine starke Hook ohne passenden Beleg ist wie eine schön lackierte Tür, hinter der kein Raum liegt.

4. Übersetze eine Idee für jede Plattform

Eine gute Kernidee darfst Du mehrfach verwenden. Die Umsetzung sollte jedoch zur jeweiligen Plattform passen. Denselben Text auf Instagram, LinkedIn und YouTube zu kopieren, ist keine echte Content-Strategie. Menschen merken schnell, wenn ihr Netzwerk nur als weitere Ablagefläche dient.

Auf Instagram funktionieren meist ein schneller visueller Einstieg, klare Beispiele und Formate wie Reels oder Karussells. Ein Vorher-Nachher-Vergleich kann eine Veränderung sofort sichtbar machen.

Auf LinkedIn braucht die Idee eher eine klare berufliche These, eine persönliche Beobachtung und eine wirtschaftliche Konsequenz. Ein möglicher Einstieg wäre: „Mit diesen KI-Optimierungen klingen Deine LinkedIn-Posts nicht mehr wie 90 Prozent der KI-Beiträge hier.“

Auf YouTube muss dasselbe Thema ein größeres Problem aufmachen und über eine längere Dramaturgie tragen. Hier hilft eine konkrete Demonstration, die zeigt, wie das versprochene Problem tatsächlich gelöst wird.

Prompt – Schritt 4: Für verschiedene Social-Media-Plattformen

Übertrage die folgende Kernidee auf Instagram, LinkedIn und YouTube. Erstelle keine bloßen Kopien. Bewahre die zentrale Aussage, passe aber Einstieg, Dramaturgie, Format und gewünschte Handlung an die jeweilige Plattform an. Erkläre anschließend, warum Du jede Variante so aufgebaut hast. Auch hier gilt: Du erstellst noch keinen fertigen Post.

Der letzte Satz bremst die KI ganz bewusst. Erst wird die Architektur geplant. Danach werden die Räume eingerichtet.

5. Lass die KI den eigenen Entwurf kritisieren

Erst jetzt sollte die KI den fertigen Inhalt schreiben. Danach beginnt sofort die Revision.

Die Frage „Ist dieser Beitrag gut?“ hilft dabei kaum. ChatGPT verhält sich oft wie ein sehr netter Mensch, der niemanden enttäuschen möchte. Du bekommst Lob, ein paar harmlose Hinweise und selten die Reibung, die einen Text wirklich besser macht.

Gib der KI deshalb eine klare Rolle und konkrete Prüfkriterien:

  • Stoppt der Einstieg die richtige Person?
  • Hält der Inhalt, was die Verpackung verspricht?
  • Sind Aussagen durch Zahlen, Quellen oder Beispiele belegt?
  • Klingt der Text nach Dir?
  • Sind Haltung, Erfahrung und Sprache erkennbar?

Prompt – Schritt 5: Prüfung und Kontrolle

Schreibe die fertigen Inhalte und prüfe diese Entwürfe als skeptischer Redakteur. Bewerte von 0 bis 10: Relevanz für die Zielgruppe, Stärke des Einstiegs, Eigenständigkeit der Aussage, Glaubwürdigkeit und Belegbarkeit, Verständlichkeit und Übereinstimmung mit meiner persönlichen Stimme. Nenne zuerst die drei größten Schwächen. Markiere generische KI-Formulierungen und unbelegte Aussagen. Überarbeite den Text erst anschließend. Erfinde keine Erfahrungen, Zahlen oder Quellen.

Masterprompt

Hier steht normaler Text.

Analysiere unseren gesamten bisherigen Chatverlauf und erstelle daraus einen eigenständig nutzbaren Masterprompt.

Ziel:

Der Masterprompt soll in einem neuen Chat möglichst zuverlässig zu einem Ergebnis führen, das dem von uns gemeinsam entwickelten und zuletzt akzeptierten Ergebnis entspricht.

Gehe dabei so vor:

1. Ermittle, was mein eigentliches Ziel war.

2. Identifiziere die Anforderungen, Entscheidungen und Korrekturen, die zum finalen Ergebnis geführt haben.

3. Unterscheide zwischen:

– dauerhaft geltenden Regeln

– variablen Eingaben

– einmaligen Details, die nicht in den Masterprompt gehören

4. Berücksichtige spätere Korrekturen stärker als frühere Anweisungen.

5. Übernimm keine Irrwege, verworfenen Varianten oder unnötigen Wiederholungen.

6. Leite aus meinem Feedback auch implizite Qualitätskriterien ab.

7. Formuliere den Masterprompt so, dass er ohne Kenntnis dieses Chatverlaufs verständlich und einsetzbar ist.

Der fertige Masterprompt soll enthalten:

– Rolle und fachliche Perspektive der KI

– konkretes Ziel

– benötigte Eingaben

– Vorgehensweise

– inhaltliche Anforderungen

– Stil und Tonalität

– gewünschte Struktur des Ergebnisses

– klare Ausschlusskriterien

– Qualitätsprüfung vor der Ausgabe

– Platzhalter für wechselnde Angaben im Format {{PLATZHALTER}}

Falls entscheidende Informationen fehlen oder mehrere Interpretationen möglich sind, stelle mir zuerst gezielte Rückfragen. Frage nur nach Punkten, die das Ergebnis wirklich verändern würden.

Gib anschließend aus:

1. Den vollständigen Masterprompt, direkt kopierbar

2. Eine kurze Liste der variablen Platzhalter

3. Eine knappe Erklärung, welche Erkenntnisse aus unseren Iterationen eingeflossen sind

4. Drei Testfälle, mit denen ich die Zuverlässigkeit des Masterprompts prüfen kann

Wichtig:

Der Masterprompt darf nicht auf „unseren bisherigen Chat“, „das vorherige Ergebnis“ oder andere Informationen verweisen, die in einem neuen Chat fehlen würden. Er muss vollständig eigenständig funktionieren.

Der komplette Workflow auf einen Blick

Ein sinnvoller KI-Workflow für Social Media sieht so aus:

  1. Du gibst Zielgruppe, Ziel, Haltung und Grenzen vor.
  2. Die KI recherchiert Fragen, Einwände und Spannungen.
  3. Ihr entwickelt Hooks und prüft das jeweilige Versprechen.
  4. Die Kernidee wird passend für jede Plattform übersetzt.
  5. Die KI erstellt den Inhalt, kritisiert ihn und verbessert den Entwurf.

Damit kann KI einen großen Teil der operativen Arbeit übernehmen. Du bleibst verantwortlich für Richtung, Haltung, eigene Erfahrung, Belege und die endgültige Entscheidung.

Gerade bei Personal Brands und Corporate-Influencer-Programmen ist das entscheidend. Menschen folgen keiner perfekten Textmaschine. Sie folgen Menschen mit einer erkennbaren Perspektive.

Wenn Du nach diesen Schritten ein sehr gutes Ergebnis erreicht und die letzten Anpassungen selbst vorgenommen hast, kannst Du daraus einen Masterprompt entwickeln. So wird aus einem einmaligen Treffer ein wiederholbarer Prozess. Trotzdem solltest Du den Prompt regelmäßig an echten Ergebnissen messen: Welche Hooks sorgen für Aufmerksamkeit? Welche Beiträge führen zu Gesprächen? Und wo klingt der Text trotz aller Vorgaben noch austauschbar?

Wenn Du nur einen Gedanken aus diesem Artikel mitnimmst, dann diesen: Bitte die KI nicht um Content, bevor Du ihr gezeigt hast, was guter Content in Deiner Welt überhaupt bedeutet.